German Design Award 2014 -
Fragen zum Gold-Gewinner "PRO"
an Herrn Frederik Flötotto

Ihr Stuhl ist mit dem German Design Award in Gold ausgezeichnet worden. Was macht ihn so besonders?

 

Als wir Konstantin Grcic baten, einen neuen Schulstuhl zu entwickeln, war klar, dass es um extrem hohe Ansprüche an Ergonomie und Funktionalität ging. Beide Aspekte wollten wir mit zeitgemäßer Gestaltung und hoher Materialqualität verbinden. Das Ergebnis ist PRO - ein komplett "offener" Stuhl, der Bewegungen des auf ihm Sitzenden in alle Richtungen nicht nur zulässt, sondern aktiv fördert. So kommt ein besonderer Sitzkomfort zustande, der über den Einsatzort Schule schnell hinaus wies. PRO bringt eine wirkliche Verbesserung, er löst viele heute längst geforderte Details, ohne eine Sitzmaschine zu sein.

 

Die Jury war überzeugt, aber für welchen Nutzer ist der Entwurf nach Ihrer Vorstellung ebenfalls etwas ganz Besonderes? Gab es für den Entwurf eine ideale Zielgruppe?

 

Selten gab es bei neuen Produktentwicklungen eine so klar umrissene Zielgruppe wie bei diesem Stuhlprojekt. Der Schulstuhl ist eines der wenigen Möbel, dessen Zweck wir genau kennen: Schüler sitzen und lernen auf diesem Stuhl

45 Minuten und im Durchschnitt 6 Stunden am Tag. Unsere Intention war es, einen innovativen Stuhl für Bildungs- einrichtungen zu produzieren. Dass sich daraus später ein größeres Projekt entwickeln würde, war am Anfang nicht geplant. Heute ist PRO vielseitig einsetzbar: in der Schule, im Objekt und im privaten Wohnbereich.

 

Hat sich bereits der Entwurfsprozess von anderen unterschieden?

 

Am Anfang stand eine umfangreiche Recherche im Vordergrund. Wir wollten wissen, wie die Schulen heute von innen aussehen. Wie wird dort heute gelehrt? Was hat sich seit der eigenen Schulzeit verändert? Nach vielen Jahren schulfreier Zeit haben wir also verschiedenste  Schulen besucht und mit Schülern, Lehrern, Schulleitern und Beschaffern über die Vor- und Nachteile des bestehenden Mobiliars und über Wünsche und Anregungen gesprochen. Wichtig bei der Entwicklung von Schulmöbeln sind die vielen Normen und Bedingungen, die es zu erfüllen gilt. Die große Herausforderung für Konstantin Grcic bestand darin, innerhalb sehr enger Leitplanken zu arbeiten und die hohen Ansprüche an Ergonomie, Funktionalität und Design intelligent miteinander zu verbinden.

 

Welche Herausforderungen galt es zu meistern, welche Parameter haben die Entwurfsaufgabe bestimmt?

 

Wir haben uns intensiv mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen im Bereich Schulmobiliar auseinandergesetzt. In den vergangenen Jahren gab es verschiedene Studien in Bezug auf Schulmöbel. Die Kernfrage dieser jüngeren Studien lautet: "Wie kann die Lernbereitschaft von Kindern durch Möbel gefördert werden?". Heute weiß man, dass Konzentration durch ein "dynamisches Sitzen", sprich: Bewegungsfreiheit und die Möglichkeit zur Bewegung, gefördert wird. Unsere Sitzschale geht auf diese neusten Erkenntnisse ein - zum Beispiel mit ihrer kreisrunden Sitzfläche, die Bewegungen in alle Richtungen zulässt. Die eher schmale Rückenlehne ermöglicht seitliche Bewegungen. Durch Ihre Flexibilität und den S-förmigen Schwung gibt sie beim Zurücklehnen nach, bietet aber immer noch eine sehr gute Unterstützung. Die neue Schale hat in ihrer Form etwas Freundliches, Weiches - Positives. Im Kontext der Schule ist sie eine passende Schale für einen Schulstuhl, aber außerhalb der Schule erinnert sie nicht an Schule. PRO ist im Vergleich zu anderen Schulstühlen leichter und zeitgemäßer.

 

Entwerfen Sie immer mit einer bestimmten Haltung und können Sie diese in einem Satz beschreiben?

 

Wenn man einem Produkt seine Herkunft und Intention ansehen kann, dann erschließt es sich ohne Worte.

 

 

(vom Rat für Formgebung, German Design Council)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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